House of Usher
Mitglieder:
Gründugsjahr:
1990
Genre
Gothic Rock
[Der Anfang] Sommer 1990 - Winter 1992, Zülpich / Odendorf: Jörg Kleudgen, Markus Pick
Die ersten unentschlossenen Herzschläge eines damals noch namenlosen Projektes erklingen im Sommer 1990 im soweit das Auge reicht von Kornfeldern umgebenen Bonner Vorort Odendorf, als ich mit Markus Pick zusammenkomme und wir ohne jede Banderfahrung mit dem Schreiben einfacher Rocksongs für Gitarre und Drumcomputer beginnen. Allen Stücken ist eine rauhe, düstere Atmosphäre gemeinsam.
Das Projekt jedoch droht nach einer ersten Präsentation der Songs vor Freunden im September im Sande zu verlaufen. Im Januar 1991 wird mir bewußt, daß es zu einer Entscheidung kommen muß. Ich schlage Markus eine Reihe von Bandnamen vor - wir entschließen uns für THE HOUSE OF USHER nach E. A. Poes Novelle \\\"Der Untergang des Hauses Usher\\\" - und beginne gleichzeitig mit der Gestaltung eines Cassettencovers. Erst jetzt beginnen die Aufnahmen zum ersten, fast sechzigminütigen Tape \\\"Tales Of Despair 1919-25\\\", wobei die Jahreszahlen im Titel verschlüsselt auf das Fertigstellungsdatum 05.02.1991 hinweisen. Die sechs Stücke, deren Songstrukturen willkürlich erscheinen, lassen nur vage ahnen, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln wird. Die Arbeiten an einer weiteren Kassette erstrecken sich bis Herbst 1991. Das rund achtzigminütige Tape \\\"The Ravages Of Time\\\" macht deutlich, wie wichtig uns der konzeptionelle Hintergrund ist. Wie schon auf \\\"Tales Of Despair 1919-25\\\" verbinden wir mit Soundeinspielungen die Stücke, die nun schon deutlich Strophe und Refrain erkennen lassen und textlich von meiner damaligen Arbeit in der Psychiatrie beeinflußt sind. Manche Stücke sollen in veränderter Form sogar später ihren Weg auf unser erstes Album finden, trotzdem ist vieles nur Produkt von Zufällen. THE HOUSE OF USHER sind zu diesem Zeitpunkt eben doch keine Band.
[1991: Jörg Kleudgen, Markus Pick]
Ihren Abschluß findet diese Periode in Aufnahmen zu einer nie veröffentlichten Single im Studio des MADRE DEL VIZIO-Produzenten Mark Hofmann in Kassel. Das daraus hervorgegangene Stück \\\"Evil Live\\\" erscheint später als erster CD-Compilationbeitrag auf \\\"Behind Mysterious Gates\\\", aber weder dieses Stück noch eine Version von \\\"Vendetta\\\" geben den aktuellen Stand wieder, als wir Robert Nessler (Bass) und René Löffler (Gitarre, Synthesizer) kennenlernen.
[Phase I] Anfang 1992 - Ende 1994, Zülpich/ Euskirchen: Jörg Kleudgen, Markus Pick, René Löffler, Robert Nessler
Unsere Arbeit verliert mit der neuen Besetzung nach und nach ihren stark experimentellen Charakter und findet sich endlich in Bahnen gelenkt. Ziel der ersten Proben als Band ist es, ein Programm zusammenzustellen, das man live präsentieren kann. THE HOUSE OF USHER haben am 14. März 1992 ihren ersten Auftritt im Rahmen eines Festivals, und wir alle sind furchtbar aufgeregt. Am Ende haben wir eher optisch - ich bin von oben bis unten mit schwarzen und grauen Mullbinden bandagiert aufgetreten - als akustisch Aufsehen erregt, und eine Reihe weiterer Konzerte folgt. Sie wirken sich auch auf das Songwriting aus. Das dritte Demo \\\"Wedge Beating Wrath\\\" klingt bereits erstaunlich geschliffen und wird später die Basis für unser Debütalbum \\\"Stars Fall Down\\\" bilden. Immer wieder werden die Stücke überarbeitet, live präsentiert, neu aufgenommen, zum Teil mit einem Walkman im Proberaum in Zülpich, wo es bereits zum Ritual geworden ist, daß wir die abendfüllende Probe unterbrechen, um gemeinsam zu kochen und zu essen. Anfang 1993 bewerben wir uns mit einem Demo, das wir live im Proberaum aufgenommen haben, bei verschiedenen Labels. Diese Kassette ist ein Wendepunkt, der die stilistische Festigung zeigt, und alle fünf Stücke erscheinen später in überarbeiteter Form auf CD. Sie erwecken außerdem das Interesse des noch jungen Gothicrocklabels NYCTALOPIA RECORDS, auf dem auch die Australier MERIDIAN ihr Debüt \\\"Sundown Empire\\\" veröffentlichen. Es wird ein Vertrag geschlossen, der die Veröffentlichung des Minialbums \\\"Black Sunday\\\" und eines Albums umfaßt und drei Jahre Laufzeit hat.
[1994: Robert Nessler, René Löffler, Jörg Kleudgen, Markus Pick]
Während das Minialbum in Vorbereitung ist, veröffentlichen wir in Zusammenarbeit mit SUBSTANCE OF DREAM und BLUEFIELD die Vinyl-Split-E.P. \\\"Relic\\\". Auf unserer Seite befinden sich die Stücke \\\"Love Always Rapes Angels\\\" und \\\"Land On Earth\\\" (Cover eines BLUEFIELD-Songs), auf der anderen ein SUBSTANCE OF DREAM-Cover unseres Titels \\\"Nightlife\\\" und das Stück \\\"Identity Man\\\". Zu dieser Zeit ist die Single eine der letzten Vinylveröffentlichungen der Gothicszene. Alle steigen jetzt auf das CD-Format um. \\\"Black Sunday\\\" wird ein kleiner Erfolg. Innerhalb eines halben Jahres ist das heute gesuchte Sammlerobjekt ausverkauft, und auch die Rezensionen deuten darauf hin, daß wir lange genug geprobt und gewartet haben, bevor wir an die Öffentlichkeit getreten sind. Alleine die Zusammenarbeit mit NYCTALOPIA RECORDS gestaltet sich zunehmend schwieriger. Die Promotion, die beinahe ganz in unserer Hand liegt, wird nicht unterstützt. Das Label sieht sich außerstande, eine Neuauflage des Minialbums zu finanzieren, und als wir mit der Arbeit am vereinbarten Album beginnen wollen, wird ein möglicher Veröffentlichungstermin immer wieder verschoben. In einer unsicheren Rechtslage und ohne Aussicht auf eine Gewinnbeteiligung beginnen wir mit der Arbeit an \\\"Stars Fall Down\\\". Im Keller des Hauses, das René mit seiner Familie in Euskirchen bewohnt, ist aus überall zusammengesuchten Studioteilen ein behelfsmäßiges Tonstudio entstanden, dem René für diese Verhältnisse Unglaubliches entlockt. Nächtelang verbarrikadiert er sich in dem kleinen Raum und feilt an den Sounds für \\\"The Ravages Of Time\\\" und \\\"Vendetta\\\", programmiert die endgültigen Versionen der Drums und Synthesizer und schlägt sich mit einem schrottreifen Equipment herum. Fast ein Vierteljahr geht verloren, als die Bandmaschine repariert werden muß und sich dafür kein Techniker finden läßt.
In der festen Überzeugung, daß wir das Album auf einem eigenen Label herausbringen werden, gehen wir im Frühjahr 1994 in Verhandlungen mit Alfred Kaenders von CELTIC CIRCLE PRODUCTIONS. Das Angebot, das er uns macht, klingt vernünftig. Wir unterschreiben. Zum einen wird sich diese Liaison später als eher schädlich herausstellen, denn es wird niemals Abrechnungen oder Lizenzzahlungen geben, zum anderen aber rettet es uns vor einem fatalen Fehler, denn für die geplante Selbstveröffentlichung gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht die geringste Infrastruktur. CCP fördert die CD, die verspätet im Spätsommer 1994 erscheint, durch Promotion, läßt uns aber vollkommene künstlerische Freiheit. Unsere Aufnahmen werden akzeptiert, die Gestaltung wird bis auf einen Fehler (das Cover wird in Rot anstatt Grün gedruckt) übernommen, alleine das CCP - Logo wird eingefügt.
\\\"Stars Fall Down\\\" ist ein musikalischer Schlußstrich unter zwei Jahre Zusammenarbeit. Daß es auch das Ende markiert, können wir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht wissen. Denn da sind wir gerade auf Italien-Tour, wenn auch ohne René, der unerwartet plötzlich zur Bundeswehr eingezogen worden ist. Modena, Pisa und Ferrara heißen unsere Stationen, zwischendurch machen wir Urlaub in Venedig und Castiglioncello. Der Empfang in Italien ist sehr herzlich. Niemals vorher und niemals nachher werden die Leute nach dem Konzert die Setlists von der Bühne reißen. Als wir zurückkehren, beginnen wir mit der Arbeit an einer Reihe von neuen Stücken - \\\"Wrong Time, Wrong Place\\\", \\\"The Man With The Dead Eyes\\\" (das aber mit dem später veröffentlichten Stück außer dem Titel nichts gemeinsam hat) und das komplexe \\\"The Fallen Tower\\\", doch es wird immer schwieriger, die Band zusammenzurufen. René und Robert starten ein Technoprojekt, kommen um Stunden verspätet oder gar nicht mehr zu den Proben. Nach einem letzten Konzert mit Livedrummer Ende 1994 im Keller des Hauses Metternich/Koblenz, wo wir zum ersten Mal live aufgetreten waren, gehen wir getrennte Wege. Es steht fest, daß Markus und ich THE HOUSE OF USHER weiterführen werden.
[Interim I] Anfang - Mitte 1995, Zülpich: Jörg Kleudgen, Markus Pick, Kai Schindelka
Das erste Halbjahr 1995 ist eine Zeit der Ratlosigkeit und Orientierung. Bei unserer Suche nach Musikern wird Markus und mir bewußt, daß weniger das musikalische Können für uns wichtig ist, als das Verständnis des THOU zugrunde liegenden Konzeptes und des Sich-Einfühlens. Nachdem eine Reihe von Musikern - zum Teil mit völlig falschen Vorstellungen, was THE HOUSE OF USHER ist - zur Probe erschienen und wieder dannen gezogen ist, bleibt ein alter Freund zurück: Kai Schindelka. Leider verläßt er die Band nach knapp einem halben Jahr und einem Auftritt in Regensburg aus gesundheitlichen Gründen wieder.
[1995: Markus Pick, Jörg Kleudgen, Kai Schindelka]
[Phase II] Mitte 1995 - 16. Oktober 1996, Bitburg: Jörg Kleudgen, Markus Pick, Ray Nottinger, Victor Constrictor
Ray Nottinger und Victor Constrictor hatten wir bereits 1992 als Mitglieder der Waveband THE PERMANENT CONFUSION kennengelernt. Als wir im Sommer 1995 ihr Studio buchen, um für einen Celtic Circle Sampler \\\"The Seventh Claw Of Kali\\\" aufzunehmen, funktioniert die Zusammenarbeit so gut, daß die beiden sich uns spontan anschließen. Nach zähen Monaten des Stillstands kehrt das alte Gefühl für Songs in die Band zurück. Rasch entstehen in der ländlichen Umgebung etliche Songfragmente, die wir gezielt in Richtung \\\"Zephyre\\\" entwickeln. Im Gegensatz zur weitgehend kontinuierlichen Arbeit der ersten Besetzung mit wöchentlichen Proben arbeiten wir in Bitburg oftmals in wochenlanger Abgeschlossenheit, immer wieder unterbrochen von Vorbereitungen für Konzerte, die uns zur POPKOMM nach Köln, nach Berlin und München führen. \\\"Zephyre\\\", von vornherein als Fortführung des auf \\\"Stars Fall Down\\\" erprobten Konzepts gedacht, entwickelt sich ohne Einfluß von außen zu einem zeitlosen Werk, das die Charaktere der vier Beteiligten auf mir schon unheimliche Weise widerspiegelt. Deshalb fällt es uns heute auch schwer, Stücke aus dieser Zeit ins Liveprogramm aufzunehmen.
[1995: Jörg Kleudgen, Ray Nottinger, Victor Constrictor, Markus Pick]
Fast als Nebenprodukt entsteht eine CD-Single mit dem Titel \\\"Succubus\\\". Das darauf in zwei Versionen veröffentlichte gleichnamige Stück, das eines Morgens gegen 08:00 Uhr nach durcharbeiteter Nacht endlich gemischt ist, nimmt gegenüber den Albumsongs eine gewisse Sonderrolle ein und erscheint nicht auf \\\"Zephyre\\\", das nur kurz darauf erscheint und in der Presse durchweg positive Resonanz bringt. Zu diesem Zeitpunkt jedoch hat die Promotionabteilung des ruinösen Celtic Circle Labels aufgehört zu arbeiten, und wir machen den Fehler, uns zu sehr auf die Versprechen des Labelchefs zu verlassen. \\\"Zephyre\\\" ist verglichen mit \\\"Stars Fall Down\\\" und dem späteren \\\"Cosmogenesis\\\" ein rauhes und ungeschliffenes Album. Das dreiteilige Titelstück deckt am besten das gesamte Soundspektrum dieser Zeit ab, allerdings ist gerade dieses alleine von Markus und mir geschriebene Stück aus heutiger Sicht produktionstechnisch dasjenige der CD, das mehr Zuwendung verdient gehabt hätte, um sein Potential völlig auszuschöpfen. Das zeigen auch spätere Remixe wie \\\"The Man With The Dead Eyes And How He Saw The World\\\" und die \\\"Stone\\\"-Fassung, die 1997 auf \\\"Earthbound\\\" erscheinen wird.
Aber schon zu dieser Zeit zeigen sich Ermüdungserscheinungen in der Band, deren Gefüge Risse bekommt. Ray und Victor haben andere Vorstellung über die Weiterentwicklung der Band. Sie wollen im Gegensatz zu Markus und mir eine revolutionäre Umwälzung. Als wir beide mit den Stücken \\\"Unveiled\\\" und \\\"The Kiss Of Fate\\\" nach Bitburg fahren, zeichnet sich ab, daß dies die letzten Aufnahmen dort sein werden. Die MCD \\\"Earthbound\\\" erscheint mit diesen beiden Stücken und zwei Remixtracks sowie einem CD ROM - Video verspätet 1997 als Endpunkt unserer Zusammenarbeit.
[Interim II] 16. Oktober 1996 - März 1997, Ediger: Jörg Kleudgen, Markus Pick, Tom Dornebusch, Martin Krötz
Am 16. Oktober 1996 geben wir in Bochum ein letztes katastrophales Konzert in der Besetzung mit Ray Nottinger und Victor Constrictor und beschließen noch am selben Abend einen Neuanfang mit Tom Dornebusch von CADRA ASH und Martin Krötz, der unseren Werdegang von Anfang an als \\\"Fan\\\" mitverfolgt hat. Im dem vor allem als Livebesetzung konzipierten LineUp entstehen außer \\\"Fragment II\\\" keine neuen Songs, allerdings fallen in diese Zeit wichtige Konzerte wie die erste und erfolgreichste BLACK CELEBRATION des Musikmagazins BLACK. Tom Dornebusch hat gegenüber seiner eigentlichen Band, mit der wir in dieser Zeit einige Konzerte bestreiten zusätzliche Verpflichtungen, und die räumliche Distanz, die uns voneinander trennt, behindert Arbeiten an neuem Songmaterial. Als wir mit der Arbeit an \\\"Cosmogenesis\\\" beginnen, beschließen wir, uns zu trennen.
[1997: Jörg Kleudgen, Tom Dornebusch, Martin Krötz, Markus Pick]
[Phase III] März 1997 - Mai 2000, Ediger: Jörg Kleudgen, Markus Pick / Dominic Daub, Martin Krötz, Alexander Schneiders
Die erste Studioaufnahme, die wir im Frühjahr 1997 im improvisierten Studio in Markus\\\' Keller machen, ist \\\"Clouds Without Water\\\". Inzwischen ist Alexander Schneiders als alter Freund Martins zu uns gestoßen und spielt den Bass zu diesem Song, der als Beitrag zum THE GOTHIC GRIMOIRE - Magazinsampler gedacht war, dort aber nicht mehr erscheint, weil das Heft eingestellt wird. Kurz darauf zieht das Studio an die Mosel um, und wir ernten in Form guter Konzerte (u.a. das OMBRE SONORE in Straßburg und das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, wo wir auf der Parkbühne vor LONDON AFTER MIDNIGHT spielen und unsere Vertonung von Christian von Asters Hörspiel \\\"Der letzte Vampir von Kradow\\\" uraufführen) die Früchte des Erfolges von \\\"Zephyre\\\".
Es wird Zeit, über ein neues Album nachzudenken, doch bevor wir mit dem Sammeln von Material beginnen können, zeichnen sich neue Probleme ab. Markus zieht sich mehr und mehr aus persönlichen Gründen von der Band zurück, und als wir im Frühjahr 1998 die Vorabvinylsingle \\\"To Sow A Storm\\\" fertigstellen, verläßt mein alter Wegbegleiter die Band, die ihm so viele Jahre lang ein normales Leben unmöglich gemacht und Wochenende um Wochenende gekostet hat. Die Arbeit am neuen Album, dessen Titel \\\"Cosmogenesis\\\" sich auf das Werk der Theosophin Helena P. Blavatsky bezieht, verzögern sich, als wir im Sommer 1998 für das britische Label NIGHTBREED RECORDINGS das Album \\\"Black Sunday Chronology\\\" zusammenstellen, das neben der 1993er MCD \\\"Black Sunday\\\" eine Reihe neubearbeiteter Stücke enthält.
[1999: Alexander Schneiders, Dominic Daub, Jörg Bartscher - Kleudgen, Martin Krötz]
Erst als diese Selbstreflexion überstanden ist, konzentrieren wir uns auf \\\"Cosmogenesis\\\", das sich als das schwierigste aller bisherigen Projekte erweist. Als die Basisstruktur der meisten Stücke steht, schließt sich der ARTS & CRAFTS-Gitarrist Dominic Daub der Band an und verleiht dem Album durch sein filigranes Solospiel eine neue, tiefere Dimension. Als \\\"Cosmogenesis\\\" im Herbst 1999 erscheint, urteilt das SONIC SEDUCER MAGAZIN in seinem Soundcheck: \\\"10 Punkte. Mein persönlicher Favorit. \\\"Cosmogenesis\\\" klingt einerseits schwer und melancholisch, verbreitet aber keine Weltuntergangsstimmung. Geiler Gothic Rock!\\\" und es scheint außer Frage zu stehen, daß wir in dieser Besetzung unsere Arbeit fortsetzen werden. Mit der Verlegung des Studios nach Köln und einem zunehmenden Druck durch eine Vielzahl von Konzerten und neue Aufnahmen gerät jedoch unsere Bassist Alexander in einen inneren Konflikt, aus dem heraus er THE HOUSE OF USHER im April 2000 verläßt.
[Phase IV] Oktober 2000 - September 2003, Köln / Kamen / Neheim / Fowey: Jörg Bartscher - Kleudgen, Martin Krötz, Dominic Daub, Ralf Dunkel, Axel Burgard
Mit der \\\"Burning Gates\\\" Split - E.P. erscheint Ralf Dunkel, den ich schon seit vielen Jahren als Bassist der geschätzten FALLEN APART kenne, als neues Gesicht bei THE HOUSE OF USHER. Die Zeit, ihn an das alte Material heran zu führen, ist knapp: es stehen im Frühjahr 2000 eine Reihe von Konzerten an, darunter ein Auftritt beim GOTHIC SUNDAY des 9. Wave-Gotik-Treffens in Leipzig mit MEPHISTO WALZ, LOVE LIKE BLOOD, CHRISTIAN DEATH und CLAN OF XYMOX, das aber am Konzertmorgen wie das gesamte Treffen abgesagt wird.
Nach einigen kleineren Auftritten, bei denen wir an Dynamik und Energie gewonnen zu haben scheinen, folgt im August das M\\\'ERA LUNA, bei dem wir im Vorprogramm von FAITH & THE MUSE, THE MISSION und THE SISTERS OF MERCY spielen und trotz des ungewohnten Tageslichts auf einer 10 x 15 m messenden Bühne ganz gut zurechtkommen. Gleichzeitig beginnen wir mit der Arbeit am neuen Album \\\"Inferno/L\\\'enfer\\\", das für 2001 auf ÉQUINOXE RECORDS geplant ist und auf Fragmenten basiert, die zum größten Teil während einer Projektwoche in St-Quay-Portrieux / Bretagne entstanden sind. Stücke wie \\\"One Of A Million\\\" und \\\"A Summer\\\'s End\\\" sollen während einer Reihe von Konzerten im Herbst (u.a. HERBSTNÄCHTE/Burg Rabenstein und ELSTERCON/Leipzig (Akustikkonzert)) bereits live vorgestellt werden.
Am 6. Oktober 2000 wird im Leipziger Haus des Buches eine neue Seite unserer Biographie aufgeschlagen. Eigentlich nur für ein Akustikkonzert sollen wir durch den FALLEN APART - Schlagzeuger Axel Burgard als Perkussionist begleitet werden. Das Konzert, auf DAT mitgeschnitten und später als \\\"An Eve With Discord\\\" veröffentlicht, wird ein großer Erfolg, es dauert jedoch bis Mai 2001, bis Axel als fest integriertes Mitglied der Band mit nach England kommt, um in Leeds (26. Mai) und London (27. Mai) die ersten THOU - Auftritte mit getriggertem Schlagzeug zu spielen, die beim Publikum begeisterte Reaktionen hervorrufen und uns in unserer Entscheidung bestärken.
[2001: Axel Burgard, Martin Krötz, Dominic Daub, Ralf Dunkel, Jörg Bartscher - Kleudgen]
Zwischendurch sind die Arbeiten an unserem vierten regulären Album \\\"Inferno/l\\\'enfer\\\" weiter gediehen, obwohl unsere räumliche Distanz sich bemerkbar macht. Noch finden unsere Proben in Martins winzigem Gästezimmer in Köln statt, und es soll noch eine Weile dauern, bis wir mit unserem Studio endgültig in den FALLEN APART - Proberaum nach Kamen umziehen. Im Mai stehen die Songs fürs Album fest, außerdem zeichnet sich ab, daß es zusätzlich zur im Booklet abgedruckten Erzählung \\\"L\\\'enfer\\\" ein Hörspiel auf der CD geben wird. Von September bis Anfang November zieht das komplette Studio noch einmal um. Im Neheimer Stadtteil Herdringen entstehen die endgültigen Mixe des Albums.
Vorab erscheint im Dezember 2001 unter dem Titel \\\"Kersalamand\\\" ein von Carsten Schmitt und mir verfaßtes Rollenspielabenteuer für das Spielsystem AUF CTHULHUS SPUR im Spielemagazin MEPHISTO. Während sich die Veröffentlichung des Albums aufgrund von Vertriebsproblemen verzögert, gehen wir Anfang November auf eine ausgedehnte Tour, die uns u. a. nach Düsseldorf, Bremen, Aachen, Wien, Hamburg und Münster bringt. Die jeweils ersten dreißig Besucher jedes Konzerts erhalten während dieser Tour die kostenlose CD - Probe \\\"Give Away\\\" mit exklusiven Versionen von \\\"With The Heat Of A Sun\\\" und \\\"A Summer\\\'s End\\\" sowie dem instrumentalen Fragment \\\"Western Europe Sundown\\\" und den von Christin Maschmann in England produzierten Videofiles \\\"The Man With The Dead Eyes\\\" und \\\"Crisis\\\".
Im März 2002 erscheint \\\"Inferno/l\\\'enfer\\\" dann endlich und sorgt bei den Rezensenten für Verwirrung. Nur wenigen gelingt es, die musikalischen Veränderungen in Worte zu fassen, und die meisten Artikel beziehen sich weniger auf das Album als uns selbst als Band selber, indem sie THE HOUSE OF USHER zur \\\"wahrscheinlich letzten deutschen Gothic Rockband\\\" erklären. Noch während die Promotion für \\\"Inferno/l\\\'enfer\\\" im Gange ist, vom 6. bis 13. April, begeben wir uns zum Schreiben neuer Songs nach Cornwall / Südwestengland und besuchen Tintagel, die Lizard - Halbinsel, St. Agnes, St. Ives und viele andere spektakuläre Orte. Der auf einem verfallenen Haus angebrachte BBC - Schriftzug \\\"Radio Cornwall\\\" inspiriert den Arbeitstitel zum neuen Album.
Die Arbeit an diesem verzögert sich jedoch aufgrund der Vorbereitungen zu Auftritten auf dem 11. WAVE GOTIK TREFFEN in Leipzig (bei dem wir als Statement gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Szene das NO ANGELS - Cover \\\"Daylight\\\", und darin eingeflochten eine kurze Passage aus THE MISSION\\\'s \\\"Wasteland\\\" spielen) und dem ZILLO - FESTIVAL. Im Verlauf des Sommers aber soll mit der Bearbeitung der \\\'Radio Cornwall\\\' - Demos begonnen werden.
[Phase V] seit Oktober 2003, Köln / Kamen: Jörg Bartscher - Kleudgen, Markus Pick, René Löffler, Ralf Dunkel, Axel Burgard
Ein Schritt zurück, drei Schritte vor…
Im Frühjahr 2003 beschließt Gitarrist Martin Krötz aufgrund seiner veränderten Lebenssituation nach langem Zögern die Band zu verlassen. Im Herbst folgt ihm nach einem Abschiedskonzert im Zwischenfall / Bochum, bei dem als Ersatz für Martin bereits Bandmitbegründer Markus Pick wieder auf der Bühne steht, Dominic Daub. Letztlich zahlt die Band damit einen verspäteten Tribut an die Belastungen durch Entfernungen von bis zu 300 km, die die einzelnen Bandmitglieder trennen.
Mit der Rückkehr von René Löffler, der von 1992 bis 1994 als Gitarrist und Produzent bei THOU maßgeblich das Debütalbum \\\"Stars Fall Down\\\" prägte, findet die Band vollkommen unerwartet zu 75% in Urbesetzung zusammen. Zügig werden unter Renés Regie die Aufnahmen zu den Titeln \\\"Radio Cornwall\\\" und \\\"What Remains\\\" für eine Splitsingle mit FALLEN APART, die den Namen \\\"Hegemony\\\" tragen und im März 2004 erscheinen soll, in Angriff genommen. Erleichtert wird die Arbeit durch die Tatsache, dass nun zwei Studios zur Verfügung stehen, eins in Kamen und eins im Herzen Kölns, wo die Gitarrenspuren aufgenommen werden sollen.
[2004: Ralf Dunkel, Jörg Bartscher - Kleudgen, Axel Burgard, René Löffler, Markus Pick]
Aufgrund der Umbesetzung haben sich für die Band wieder einmal unerwartet neue Perspektiven eröffnet. Für das im Herbst 2004 erwartete Album \\\"Radio Cornwall\\\" steht neben den Ideen, die in Cornwall aufgezeichnet wurden, nun auch eine Vielzahl neuer Vorschläge und Gedanken von René und Markus zur Auswahl. Bereits die Vorabsingle \\\"Hegemony\\\" lässt einen Wandel im Klangbild der Band erahnen.
Jörg Bartscher - Kleudgen, Januar 2004
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