De/Vision

„subkutan" [lat.], unter der Haut liegend oder unter die Haut erfolgend (z.B. Injektionen)", heißt es kurz und knapp im Lexikon der „Zeit" und bringt damit gleich auf den Punkt, wie sich die Musik von DE/VISION auf einen Begriff bringen lässt. Die Reduzierung auf ein Schlagwort war stets ein Markenzeichen der Band, die seit 17 Jahren schon erfolgreich alle Fassetten des synthetischen Pop aufgegriffen und weiterentwickelt, auf sehr organische, immer gefühlsbetonte Weise zu einem ureigenen Stil symbiotisch vereint hat. Elektro-Pop, der eben „unter die Haut" geht. „Subkutan" lautet nun auch mehr als treffend der Titel des neuen Albums von Steffen Keth und Thomas Adam. Nachdem DE/VISION jahrelang – noch als Trio – erst alle konventionellen Spielarten des elektronischen Pop durchexerziert haben, sollte 1999 das Album „Void" DE/VISION an die Grenzen des für sie Machbaren und Möglichen führen, experimentierte dabei großzügig mit rockigen Gitarren- Arrangements und vertrackt-noisigen Electronics, doch verließ Gründungsmitglied Markus das bis dahin so harmonische Bandgefüge.
Für die beiden übrig gebliebenen Bandmitglieder folgte die schwierige Phase einer umfassenden Neuorientierung. Mit dem Labelwechsel von WEA zu Drakkar und dem 2001 erschienenen Album „Two", das sich mit der gewöhnungsbedürftigen Neukonstellation der Band als Duo befasste, versuchten DE/VISION sich nicht nur wieder auf ihre alten Tugenden zu besinnen, sondern auch aus den Erfahrungen der gewagten „Void"-Produktion zu lernen.
Aber erst mit den beiden folgenden Werken „Devolution" (2003) und „6 Feet Underground" stellte sich die offensichtlich nötige Konstanz ein, die DE/VISION zu großen Pop-Hymnen befähigt. Hier hatten sie mit Arne Schumann und Josef Bach auch zwei Produzenten gefunden, die genau diese einzigartige Fähigkeit der Band herauszukristallisieren verstehen.
Und nun also „Subkutan". DE/VISION sind mit ihrem neuen Album endlich wieder dort angekommen, wo sie sich in der postmodernen Deutungs- und Ausdrucksvielfalt sehen und mit großen Schritten bereits mit dem 2004 veröffentlichten Vorgänger- Album „6 Feet Underground" zu bewegt haben, nämlich in den weiten Gefilden moderner elektronischer Musik, die durchaus offen für stilistische Veränderungen ist, aber vor allem emotional tief berührenden und auch tanzbaren Electro-Pop beinhaltet.
Schon der Opener „Subtronic" macht dabei deutlich, dass sich Thomas und Steffen für das Erreichen ihrer Ziele nicht zwingend konventioneller Kompositionsmethoden bedienen, sondern sehr wohl auch zeitgemäße Einflüsse aus dem Dance-Bereich aufgreifen. Der Electro-Clash ist eben auch bei DE/VISION angekommen, wird hier aber nicht bis zum Exzess durchstilisiert, sondern dem vorgegebenen Ziel, Ohrwürmer für den gereiften Pop-Konsumenten zu produzieren, deutlich untergeordnet. So lebt „Subtronic" vor allem von den zwingenden Beats, die in sphärisch-leuchtenden Electro-Sequenzen fast rein instrumental erstrahlen, ehe Steffen mit leicht verzerrten Hooklines für ohrwurmige Vocal-Akzente sorgt. „The End" ist dagegen ein wunderbares Beispiel dafür, wie DE/VISION mittlerweile mit noisigen, rockig angehauchten Elementen arbeiten, für die sie seit dem „Void"- Album doch eine gewisse Affinität gewonnen haben, die aber nunmehr als lautmalerische, wenn auch kraftvolle Klangzutat gereicht wird.
Wie sehr DE/VISION mittlerweile auch als Songwriter gereift sind, demonstriert vor allem „Star-crossed Lovers" sehr schön, wo ein balladesk anmutender Anfang erst in einen spannend aufgebauten, dreckig angehauchten Beat übergeht und dann überhaupt sehr alternativ-rockige Züge annimmt. Auch „Addict" merkt man deutlich an, dass der Band das Komponieren zeitlos ergreifender Pop-Hymnen an sich relativ mühelos zu gelingen scheint und sie sich nur noch auf das möglichst interessante Ausstaffieren der Songs in elektronische Gewänder konzentrieren muss, die der üblichen Vergänglichkeit radiotauglicher Titel zu trotzen vermögen. Aber wir wollen auch die großartigen Balladen nicht vergessen, die schon immer zu den markanten Wegpunkten in der Geschichte von DE/VISION gezählt haben. So schleicht sich „No Tomorrow" mit spacigen Soundscapes und bedacht vorgetragenen Lyrics sehr behutsam in den Gehörgang, während „In Dir" zwar leicht grooviger daherkommt, aber mit dem einfühlsam interpretierten deutschen Text – der erste nach gut zehn Jahren! - an Intensität gewinnt.
So bewegen sich DE/VISION auf „Subkutan" wieder auf breit angelegten musikalischen Pfaden und in vielschichtigen Stimmungen, präsentieren dabei aber immer großartigen Pop jenseits aller Genre-Konventionen und gehen dabei … immer unter die Haut!

Mitglieder:

  • Steffen: Gesang, Synthesizer, Kompositionen
  • Thomas: Synthesizer, 2.Gesang, Texte

Webseite: www.devision.de